PRIX DE LAUSANNE 2025
Ein Fenster zur Welt – und zur Schweizer Tanzszene? Der Prix de Lausanne ist eine Bühne, die nicht nur Karrieren lanciert, sondern auch die Schweizer Tanzlandschaft politisch, gesellschaftlich und kulturell prägt. Danse Suisse misst dem Prix de Lausanne grosse Bedeutung bei, da dieser Wettbewerb nicht nur als Sprungbrett für Tänzer:innen dient, sondern auch als Spiegelbild des Wandels im Tanz fungiert.
Die Schweiz ist ein Land der Präzision – sei es in der Uhrmacherei oder im Tanz. Genau wie die Zahnräder einer Schweizer Uhr perfekt ineinandergreifen müssen, um präzise zu funktionieren, erfordert auch der Tanz ein Höchstmass an Koordination, Timing und Disziplin. Philippe Braunschweig, selbst aus einer Uhrmacherfamilie in La Chaux-de-Fonds stammend, verstand diesen Anspruch an Präzision und übertrug ihn auf den Prix de Lausanne: ein Wettbewerb, der junge Talente mit derselben Sorgfalt fördert, mit der ein Meisteruhrmacher sein Werk perfektioniert. Das Engagement von Persönlichkeiten wie Philippe Braunschweig, der als Gründer des Wettbewerbs unermüdlich für den Tanz als ernsthafte Berufsperspektive kämpfte, zeigt, dass es Brücken zwischen Tradition und Zukunft braucht. (Mehr über Phillippe Braunschweig im → SPOTLIGHT). Der Prix de Lausanne trägt zur internationalen Akzeptanz des Berufs der Tänzer:in bei, will Tanz als ernsthafte berufliche Perspektive etablieren und auf allen Ebenen zu fördern. Danse Suisse verfolgt dasselbe Ziel. Doch reicht das? Oder bleibt Tanz in der Schweiz eine Randerscheinung, während Länder wie Frankreich oder England ihren Tänzer:innen mehr strukturelle Förderung bieten?
Tanz ist mehr als Bewegung – er ist Ausdruck, Identität, Widerstand. Der Prix de Lausanne zeigt, dass Tanz als universelle Sprache Grenzen überschreitet. Wie kann ein internationaler Wettbewerb dazu beitragen, dass der Tanz hierzulande noch mehr Anerkennung findet? Die Realität zeigt, dass sich die Schweiz mit den bisher insgesamt 29 Schweizer Preisträger:innen seit Bestehen des Wettbewerbs (zur → Liste) zwar international einen Namen gemacht hat, aber auf der strukturellen Ebene im Vergleich zu anderen Ländern noch immer Nachholbedarf besteht.
Tänzerische Bedeutung: Ein Sprungbrett mit Schattenseiten?
Natürlich ist der Prix de Lausanne für junge Tänzer:innen eine unvergleichliche Chance. Namen wie Laura Fernandez, Benoît Favre oder Sarah-Jane Brodbeck stehen für Karrieren, die hier begannen. Doch was passiert mit jenen, die nicht gewinnen? Ist der Wettbewerb ein Segen oder eine harte Selektion, die Träume auch zerstören kann? Die Vergangenheit zeigt, dass der Prix längst mehr ist als eine blosse Bühne für Gewinner:innen. Der Anlass hat sich weiterentwickelt und bietet ein umfassendes Rahmenprogramm mit Seminaren, Workshops und individueller Karriereberatung. Jede:r Kandidat:in ist ein:e Gewinner:in, denn alle erhalten wertvolle Einblicke, Tipps und Vernetzungsmöglichkeiten für ihre berufliche Zukunft.
Es geht nicht nur darum, den besten Tänzer oder die beste Tänzerin zu küren, sondern um die Förderung der gesamten Tanzszene. Durch Mentoring-Programme, individuelle Feedbackgespräche und Kontakte zu renommierten Schulen und Kompanien bekommen selbst jene, die keinen Preis gewinnen, oft entscheidende Türen geöffnet. Eine nachhaltige Tanzszene erfordert Strukturen, die über den Moment des Wettbewerbs hinausgehen – und der Prix de Lausanne bietet genau diese.
Die Schweizer Kandidat:innen 2025
Die diesjährigen selektionierten Kandidat:innen aus der Schweiz waren:
- Yve-Noelle Bollinger (Amanda Bollinger Dance Academy, Australien)
- Leo Cheng (Tanz Akademie Zürich, Schweiz)
- Rhyan Foerster (Tanz Akademie Zürich, Schweiz)
- Samuel Lance (Tanz Akademie Zürich, Schweiz)
Der Prix de Lausanne zeigt: Schweizer Balletttänzer:innen können mithalten. Die Schweiz hat das Potenzial, Tanz als wichtigen Bestandteil ihrer Kulturlandschaft zu etablieren – aber es braucht weiterhin ein starkes politisches und gesellschaftliches Engagement, um diesen Weg zu sichern. Genau dafür setzt sich Danse Suisse ein. Nur wenn Tanz langfristig und strukturell gut gefördert wird, kann die Schweiz im internationalen Rahmen mithalten.